BarCamps in der politischen Bildung:
Interview mit Jöran Muuß-Merholz

Selfie / CC by 4.0 by Jöran Muuß-Merholz

Selfie / CC by 4.0 by Jöran Muuß-Merholz

Jöran Muuß-Merholz vernetzt Bildung und Medien; er leitet die Agentur (Jöran & Konsorten) und betreut für die Bundeszentrale für politische Bildung das Projekt #pb21 – Web 2.0 in der politischen Bildunhttp://pb21.de. Ein aktueller Schwerpunkt seiner Arbeit sind Freie Bildungsinhalte (Open Educational Resources, OER).

Das Interview führte: Henning Wötzel-Herber (ABC Bildungs- und Tagungszentrum e.V.)
Es ist erschienen in „BarCamps in der politischen Bildung. Jahresbericht 2013 des Programms „Politische Jugendbildung im AdB“

Q: Das Format BarCamp hat sich innerhalb kurzer Zeit weit verbreitet. Es gibt kaum Themen, zu denen es kein BarCamp gibt. Wie ist das zu erklären?_
A: Jöran Muuß-Merholz: Schon in den 1980er-Jahren gab es im Umfeld des Chaos Computer Clubs den Spruch „Erst reisen die Daten, dann reisen die Menschen.“ Irgendwann will man sich nicht nur online, sondern auch vor Ort treffen. Und wenn man aus dem Internet gewohnt ist, dass jeder zu jedem Thema jederzeit aktiv etwas sagen kann, dann will man das auch auf die Offline-Welt übertragen.

Q: Welches Potential haben BarCamps für die politische Bildung?
A: Formate, die auf Teilnehmerorientierung, Partizipation und Austausch setzen, sind in der politischen Bildung ja schon viel länger bekannt als der Begriff BarCamp überhaupt existiert. Durch den BarCamp-Boom können diese Veranstaltungsformate in der politischen Bildung einen zweiten Frühling erleben.

Q: Das Programm wird von den Teilnehmenden festgelegt. Wie kann gewährleistet werden, dass politische Bildung vermittelt wird?_
A: Es kann gar nicht gewährleistet werden. Der Veranstalter vermittelt ja nichts, sondern setzt nur den Rahmen, also das Oberthema, die Infrastruktur und die Moderation. Allerdings kenne ich kein einziges Beispiel, wo ein BarCamp gescheitert wäre, weil nicht ein intensiver Austausch zum Oberthema zustande gekommen wäre. Wenn das Oberthema auf einer politisch-gesellschaftlichen Ebene liegt, dann wird auch das BarCamp dem folgen.

Q: Das erste BarCamp fand 2005 statt, seit 2009 wird das Format auch explizit in der politischen Bildungsarbeit genutzt. Ist dies nur eine Modeerscheinung?_
A: BarCamps bieten sich immer dann an, wenn die Teilnehmenden vor Ort selbst eine Expertise zum Thema haben. „Expertise“ muss nicht akademisch verstanden sein, es kann auch einfach eine lebensweltliche Expertise sein. Bei einem BarCamp „Leben in Hamburg-Mümmelmannsberg“ verfügen die Menschen über die größte Expertise, die in Hamburg-Mümmelmannsberg leben.
Das Format „BarCamp“ wird sich auch weiterentwickeln, das tut es ja jetzt schon. Wir sehen Aufweichungen und Vermischungen von der Ursprungsidee des BarCamps, z.B. wenn bei Tagungen und Konferenzen ein Teil des Programms klassisch und ein Teil als BarCamp strukturiert ist.

Dieser Beitrag wurde unter BarCamp, bcpb, bcpb14 abgelegt am von .

Über Stiftung wannseeFORUM, A. Ullrich

Info Das wannseeFORUM bietet Ihnen und euch kulturelle und politische Jugendbildung in Berlin, unter anderem zu den Themen Kunst, Kultur, Politik, Partizipation & Mediengesellschaft. http://wannseeforum.de/ Aufgabe außerschulische politische und kulturelle Jugendbildung Stiftung wannseeFORUM Das wannseeFORUM ist als Bildungsstätte und Tagungshaus für Jugendliche und Erwachsene ein FORUM der Begegnung für Menschen aus verschiedenen Bevölkerungsschichten und Lebenswelten, die außerhalb des Alltags miteinander diskutieren und arbeiten wollen. Träger ist die Stiftung wannseeFORUM. Das Programm beinhaltet Seminare und Projekte für junge Menschen ab 14 Jahren und Fortbildungen für Mitarbeit...Mehr anzeigen Allgemeine Informationen http://de.wikipedia.org/wiki/Wannseeforum In der von 1906 bis 1908 erbauten Bankiersvilla gründeten US-Behörden 1947 das „camp of wannsee“ als Beitrag zur Demokratisierung Deutschlands. 1951 verkaufte die Erbengemeinschaft der Bankiersfamilie Joerger das gesamte Ensemble aus Landhaus, Kutscherhaus und Park als dauerhaften Sitz einer Jugendbildungsstätte an den McCloy-Fonds. Im gleichen Jahr, am 14.2.1951, nach Verkündung und Inkrafttreten der Entnazifizierung, erfolgte die Übergabe des Hauses und des Grundstücks an den deutschen Verein „Wannseeheim für Jugendarbeit e. V“ durch John McCloy, Hochkommissar in Deutschland, und Ernst Reuter, Berliner Bürgermeister. Das denkmalgeschützte Landhaus mit seinem Kutscherhaus und dem modernen Atrium liegt im Süden Berlins, im ehemaligen amerikanischen Sektor, in der Hohenzollernstraße 14 am Pohlesee, einem südlichen Ausläufer des Wannsee. Das Ensemble, bestehend aus Haupthaus, Kutscherhaus und großzügigem Park, ist eines der ersten der für die Architektengemeinschaft Breslauer & Salinger typischen großen Landhäuser in und um Berlin. Sie setzten Elemente der Architektur märkischer Herrenhäuser unter Berücksichtigung des von Paul Mebes eingeführten Landhauses im Sinne des „Bauens um 1800“ in anspruchsvolle Wohnarchitektur für reiche Industrielle der Kaiserzeit um. Die Fassade des Gebäudes und der repräsentative Kaminsaal wurden bis April 2005 umfangreich saniert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.